Mysteriöser Kellerschacht im „Taj Mahal“ entdeckt


Gemeinsames Erkunden der Kellerräume: KENeu-Chef Arne Knospe hebt für Bürgermeister Ansgar Scharnke die Holzplatte hoch. Scharnke leuchtet mit seinem Mobiltelefon den Stahldeckel aus, um dort einen Griff zum Anheben zu entdecken. Hinzugerufene Bauhofmitarbeiter lösen später die Holzplatte aus der Verankerung und öffnen den Stahldeckel zum verschütteten Treppenabgang

In den Räumlichkeiten des kürzlich geschlossenen Restaurants in der Professor-Zeller-Straße Ecke Ernst-Thälmann-Straße ist bei einer Gebäudebesichtigung im März ein Schacht entdeckt worden. In einem Raum des Kellergewölbes, des um das Jahr 1912 erbauten Gebäudes, wurde unter einer Holzplatte ein massiver Stahldeckel zu einem Treppenabgang entdeckt, der mit Bauschutt verfüllt wurde. „Dieser hintere Teil des Kellers war für uns lange nicht zugänglich, da dort diverses Inventar – teilweise aus den 1920er Jahren – zwischengelagert wurde, was die Betreiber des Inders meines Wissens bei der Übernahme des Objektes schon vorgefunden hatten und duldeten“, erklärt Arne Knospe, der als Chef der KENeu das Haus verwaltet. Die Restaurantbetreiber hätten nach seinen Recherchen den Platz in dieser hinteren Ecke des Kellers nicht benötigt, so Knospe. Dies habe ihm der damalige Bürgermeister Klaus Ahrens bestätigt. Beim Ehrenbürger der Gemeinde nachgefragt, erklärt der Bürgermeister von 1990 bis 2002: „Ich bin nicht verwundert, dass es bei der Übergabe des Mietobjekts in den frühen 1990er Jahren keinen kompletten Leerzug gab. Dies war eine Zeit des Umbruchs. Wir haben viele Dinge wesentlich pragmatischer als heute gelöst und auch die Befindlichkeiten des Einzelnen waren nicht so stark ausgeprägt.“

Ideen, wo der Treppenabgang hinführen könnte, gibt es viele, erklärt Ortschronist Kai Hildebrandt: „Es gab zu DDR-Zeiten immer wieder Gerüchte, dass es einen geheimen Gang zum Kriegerdenkmal auf dem Platz der Republik geben soll. Das wäre natürlich naheliegend, da dieser Teil des Kellers direkt an der Professor-Zeller-Straße gelegen ist. Auch von Katakomben unter dem Platz der Republik war schon einmal die Rede.“

Das sei aber alles Nonsens, erklärt Hildebrandt. Denn dann hätte man am Kriegerdenkmal bei den Restaurationsarbeiten eine versteckte Tür oder ähnliches finden müssen. Auch während der Arbeiten am Platz der Republik für die Entwässerung, hätte dann etwas gefunden werden müssen, so der Ortskenner.

Viel wahrscheinlicher sei ein unterirdischer Gang, der zwischen dem damaligen Haus von Hans Theobald, der in der Ernst-Thälmann-Straße 36 wohnte, dem heutigen Ladengrundstück vom Buchhaus Bünger und dem Brillenstudio Kettler. „Den Erzählungen nach war Hans Theobald Klempnermeister, der Gas-, Wasser-, Kanalisations- und Bauklempnerarbeiten ausführte. Bisher habe ich dazu keine Unterlagen gefunden. Ich kenne das nur vom Hörensagen.“ Definitiv belegen könne Hildebrandt, dass man Hans Theobald nach dem Krieg eine Wiederaufnahme seines Geschäftes aufgrund seiner früheren politischen Gesinnung untersagte. Logisch erscheine ihm, dass Theobald als Kanalisationsarbeiter das gewisse Know-how für einen solchen Gang gehabt hätte.

Eine Klärung, was an diesen Geschichten dran ist, wünscht sich auch Bürgermeister Ansgar Scharnke. „Wir haben nun erst einmal Kontakt mit dem Denkmalschutz aufgenommen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Wir können nicht einfach den Bauschutt entfernen, um zu schauen, wo der offensichtliche Gang hinführt. Sicherheit geht vor, so sehr ich mir für diesen Sensationsfund ein schnelles, aber auch belastbares Ergebnis wünsche“, bremst er. Er ruft alle Neuenhagener auf, ihr Wissen über diesen möglichen Verbindungsgang per Mail an social@gemeinde-neuenhagen-berlin.de mitzuteilen. Er selbst lasse nun die Archive der Gemeinde auf Anhaltspunkte zum vermuteten Verbindungsgang untersuchen.